Euthanasie in Aplerbeck

Am Donnerstag, den 03.05.2018 um 18.00 Uhr findet die nächste Veranstaltung der Veranstaltungsreihe “ Erinnern … damit kein Gras darüber wächst!“ statt.
Im Bürgersaal der Bezirksverwaltungsstelle Hörde, Hörder Bahnhofstr. 16, wird der langjährige Oberarzt der LWL-Klinik Dortmund, Herr Hans-Joachim Thimm, einen Vortrag zum Thema „Euthanasie in Aplerbeck“ halten.
Bis Ende der 80er Jahre waren die Beschäftigten der LWL-Klinik Dortmund sicher: „In unserer Klinik hat es im Nationalsozialismus weder Transporte in Vernichtungslager noch Morde an psychisch Kranken gegeben.“ Denn seit ihrem Gründungsjahr 1895 stand die Aplerbecker Klinik für eine offene und moderne Psychiatrie.
Dann beginnt anlässlich des 100-jährigen Jubiläums eine Arbeitsgruppe um den damaligen Ärztlichen Direktor, Prof. Dr. Wolfgang Leonhardt, die Geschichte der Klinik zu erforschen. Nach Sichten zahlreicher Kranken- und Verwaltungsakten werden grauenhafte Verbrechen an Patienten während des Faschismus aufgedeckt.
Langsam, schleichend hatte sich die Haltung zu psychisch Kranken verändert. Zunächst wurden sie „verzahlt“: Was kosten sie? Was bringt ihre Arbeit an Gewinn? Danach wurde abgerechnet:
Wer seinen Unterhalt nicht erwirtschaftet, wird unwert – lebensunwert.
Den Gedanken der Euthanasie – in der deutschen Medizin schon zur Jahrhundertwende laut gedacht – setzten die Nationalsozialisten mit gnadenloser Perfektion um. So hat man Patienten in Aplerbeck mit großer Wahrscheinlichkeit verhungern lassen, viele wurden in Vernichtungsanstalten verschubt, 248 Kinder wurden systematisch getötet.
Hans-Joachim Thimm, langjähriger Oberarzt der LWL-Klinik Dortmund, wird in seinem Vortrag über die Geschichte der Klinik von ihren Anfängen bis 1945 berichten. Dabei wird er auf die Situation der Beschäftigten eingehen und exemplarisch das Schicksal einzelner Patienten der Klinik aufgreifen. Auch von Tätern weiß er zu erzählen. Keiner von ihnen wurde nach 1945 zur Rechenschaft gezogen!
Weitere Informationen dazu entnehmen Sie bitte dem beigefügten Flyer.
Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind dazu herzlich eingeladen.
Der Eintritt ist, wie bei allen Veranstaltungen dieser Reihe, frei!